Personalauswahl durch Algorithmen. Robot-Recruiting.

Robot Recruiting – eine Horrorvision?

Das ist eine fiktionale Geschichte. Das ist eine realistische Geschichte. Wie immer du es siehst, du hast recht 😊.

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Hi, ich bin Rob und entscheide über die Personalauswahl. Ob du den Job bekommst. Oder nicht. Du kannst dir gerne eine Roberta vorstellen. Absolventin des Instituts für Personalwirtschaft. 37 Jahre jung, verheiratet, einen Sohn. Erfahrungen als Controllerin, im Marketing. Aufbaustudium. Abteilungsleitung, nach 2 Jahren Bereichsleitung. Jetzt in der Personalberatung „Job-Toppers“ in der erweiterten Geschäftsführung tätig.

Oder du denkst bei deiner Bewerbung an Robert. Er hat nach seiner Juristenausbildung 4 Jahre in einem internationalen Konzern verbracht. Dann wurde er von einem mittelständischen Unternehmen abgeworben. Rund 200 Mitarbeiter. In den letzten 20 Jahren hat er bei der „dort Karriere gemacht. Bis zum GF. Jetzt sucht er nach Personal statt nach Paragraphen.

ABER EGAL, WAS DU DIR VORSTELLST – ES IST ALLES FALSCH. Reingefallen auf den menschlichen Automatismus, immer zu vermenschlichen!

Ich bin Rob. Mit Nachnamen Boter. Ich bin ein „ES“, sagen wir, ein Roboter. Eigentlich bin ich ein Programm. „Algo Rithmos“ – gefällt mir, klingt spanisch. Bei Rob Boter kannst du dir etwas vorstellen – also mach das, wenn es dir leichter fällt.

Emotionslos treffe ich die Personalentscheidung. Du bist mir so was von egal. Weder sympathisch noch unsympathisch. Nur völlig egal! Da zuckt kein Bit bei mir.

Welches Gefühl kommt da bei dir hoch? „Wird bereits die gesamte Personalauswahl von Algorithmen & Robotern beherrscht?“, wirst du dich ängstlich, eher ärgerlich oder sogar wütend fragen. Keine Sorge: Ich wurde so programmiert, dass du nicht merkst, ob du einem Menschen oder – eben – mir schreibst.  

Ich bin die Gegenwart und noch viel mehr die Zukunft. Ich und meine KollegInnen werden den gesamten Jobsuche- und Recruiting-Bereich grundlegend verändern. Wie, möchtest du wissen? Also gut, ich verrate dir ein paar Bereiche:

  • Deine Bewerbung kommt zu mir. Entweder direkt, indem du sie im Job-Portal eingibst. Oder indirekt, indem sie eingescannt wird.
  • Ich bin darauf trainiert, ganz bestimmte Worte und Formulierungen zu beachten, die für den jeweiligen Job wichtig sind. (Also treffe ich nicht die gesamte Personalauswahl, nur eine grobe Vorselektion).
  • Und natürlich achte ich auf deine Ausbildung & Erfahrung. Deine Profile in Social Media Plattformen checke ich genau. Google liefert mir weitere Infos. 
  • Wenn deine Bewerbung nicht zu dem Job passt, dann schicke ich dir eine automatisierte Absage. Ich hoffe, ich wurde auf Freundlichkeit programmiert 
  • Wir können aber auch selbst aktiv werden
  • Bisher werden wir Rob „Job“ Boter selten für die aktive Suche nach geeigneten KandidatInnen programmiert.
  • Wir begrüßen, stellen Fragen, antworten, führen kurze Interviews durch (Dann nennen die Typen uns „Jobbots“).
  • Du kannst uns 24 Stunden pro Tag erreichen
  • An 7 Tagen pro Woche
  • Du musst nicht warten, bis so ein „Personalmensch“ Zeit hat – wir haben immer für dich Zeit
  • Nur sehr wenige von uns können das heute schon. Also mach dir darüber jetzt keine Gedanken.
  • Oder möchtest du doch? Bist du neugierig? Na gut – ich habe es ja gesagt, wir sind besonders freundlich:
  • Probiere es aus. Ich kann dir Freunde nennen, die dieses „Job-Botting“ bereits können. Mehr oder weniger gut – ouuups … bisserl Neid hat man uns auch algorithmiert 😊 – wie erwähnt, die Menschen wollen uns ja möglichst perfekt einsetzen.
  • Also, hier meine „Freunde“ und „Freundinnen“:
  • https://www.facebook.com/trenkwalder.austria/
  • https://www.facebook.com/AllianzCareers/

Warum lässt man mich das schreiben? Könnte doch auch dieser „cleversearch.at“ Typ? Wahrscheinlich, weil ich dir bessere Antworten geben kann, wie du deine Jobsuche gestalten sollst. Also – wieder super-freundlich, wie ich eben programmiert wurde bin – ein paar Vorteile und Tipps für dich:

  • Wenn deine Bewerbungsunterlagen zu mir kommen, wirst du objektiv beurteilt. Nicht das Foto zählt. Sympathie kenne ich nicht. Klar, bin ja Rob „Job“ Boter und kein so armseliger, emotionaler „Personaler-Typ“. Hältst Du das nicht auch für einen Vorteil bei der Personalauswahl?
  • Ich kann dir nur sehr empfehlen, dass du jede einzelne Bewerbung als ein eigenständiges, maßgeschneidertes Projekt angehst. Wenn nicht – schwupps – bist du draußen.
  • Dazu gehört eine genaue Analyse der Jobanzeige (bewirbst du dich auf so etwas überhaupt noch?). Was musst du alles erfüllen? Ihr Menschen könnt das ja: „Zwischen den Zeilen lesen“
  • Finde so viele Informationen wie möglich über das Unternehmen, wo du gerne arbeiten möchtest heraus. Website, Unternehmensseiten in Social Media Profilen, Pressemeldungen, … Du weißt ja nicht, was ich alles beachte!
  • Und dann stell dir genau vor, wen das Unternehmen sucht. Nicht nur Ausbildung und Berufserfahrungen. Passen deine Hobbies irgendwie zu dem Job? Welche Persönlichkeit könnte da gut passen? Welche Werte solltest du vertreten? Ich kann das alles screenen, besser als jeder Mensch.
  • Dann schreib' all das in deine Bewerbung. Achte zu 100% auf die korrekte Rechtschreibung. Sonst bist du in "nullkommanix" aus dem Spiel! Verwende Worte (sog. "keywords"), die zum Job passen könnten. Denk dran: Mit mir kannst du nicht verhandeln – ich bin es, Rob „Job“ Boter! Wiederhole die wichtigsten Begriffe, aber nicht zu häufig – sonst – genau „Schwupps“.

Ich rate dir, lies dir meine Geschichte zwei oder drei Mal durch. Wenn du immer alles so „Ruckzuck“ haben möchtest, so Anleitungen wie „Mit Garantie in 36 Stunden zum Traumjob“ – VERGISS ES! Da müsste es mir schon ein paar Algorithmerl raushauen. Und das wird nicht passieren!

Jetzt doch noch so ein Spruch, den diese Personal-Typen immer verwenden: „Erfolg hat 3 Buchstaben: T U N“. Sie haben mir programmiert, dass das von Goethe ist. „Who the Fuck is Goethe“. Uuuups … ich bin noch ein lernender Rob!

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